Home » Aktuelles » Was ist Coaching und was ist es nicht?

Coaching ist nicht gleich Coaching

In den Stuttgarter Nachrichten1 und ebenfalls in der MBP2wurde soeben ein eindringlicher Artikel veröffentlicht, der mit der Überschrift: „Wenn der Freund zum Verkäufer wird“ vor unlauteren Geschäftsmodellen warnte. Leider fallen gegen Ende des Beitrages relativ häufig die Worte Coach und Coaching und bekanntlich wird das, was am Anfang und was am Ende steht, gerade noch gelesen, das in der Mitte jedoch bedauerlicherweise nicht. Für jeden Laien ist es auf dem bunten Coaching-Markt wirklich schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn schließlich kann sich jeder Coach nennen, da diese Profession, wie eine Reihe weiterer Berufsbezeichnungen, leider rechtlich nicht geschützt ist.

Betrügereien gibt es und gab es schon immer, ebenfalls das Arbeiten mit Halbwahrheiten unter Ausnutzung vorhandener Grauzonen. Durch Corona und die dadurch angestoßene Digitalisierung schießen skalierbare Geschäftsmodelle wie Pilze aus dem Boden. Im Internet posen selbsternannte Erfolgscoaches und Finanzgurus vor feudalen Villen, zeigen sich in luxuriöser Umgebung, fahren Luxuskarren und bieten jedem, der es hören und sehen will, finanzielle Freiheit an, wenn sie oder er sich an ihrem Erfolgsmodell Coaching beteiligt. Streng limitierte Online-Seminare, aber auch Massenveranstaltungen sollen dann die Tore zu Onkel Dagoberts Panzerschrank öffnen. Wen wundert es, dass aus diesen Events statt der versprochenen Golddukaten nur Eigenwerbung, Banalitäten und Alltagsweisheiten kullern? Und dennoch, die Verkaufs- und Rekrutierungszahlen steigen.

Coaching hat sich erwiesenermaßen im beruflichen Kontext bewährt und verständlicherweise wollen viele am guten Namen, dem Prestige und der damit verbundenen monetären Seriosität teilhaben.

Aber Achtung, denn so einfach geht das nicht!

Angebote für Coaching-Ausbildungen, in denen die Teilnehmer*innen bereits nach einem Tag oder innerhalb von nur wenigen Tagen zum Coach ernannt werden, sind unseriös. Alleine in Deutschland haben sich bereits über 10.000 Coaches zusammengeschlossen und Kriterien für die Profession erstellt. Der Roundtable der Coachingverbände (RTC), ein Verband der Coaching-Verbände, stellt für alle am Thema Interessierten Coaching-Standards, Ethikrichtlinien und die Mindeststandards zur Orientierung zur Verfügung: https://www.roundtable-coaching.eu/downloads/.

Markenschutz, Zertifikate, Inhalte und Länge der Ausbildung

Als Laie sollten Sie darauf achten, ob der Coaching-Anbieter seriös ist, wie lange er bereits auf dem Markt ist, ob sie/er mit DSGVO arbeitet, ein Impressum vorweist und transparent mit Informationen zu seinem Angebot umgeht. Weitere Indizien sind Zertifikate und Markenschutz, denn Anbieter, die Wert auf Qualität legen, nehmen selbst Geld in die Hand und lassen sich Ihre Fort- und Weiterbildungsangebote auch von außen zertifizieren und schützen sie, z. B. durch den Eintrag ins Deutsches Patent- und Markenamt., siehe HR Constellation Coach®

Kriterien, die Sie einsetzen können

Überprüfen Sie, ob eine Coaching-Ausbildung befriedigende Antworten auf folgende Fragepunkte liefert:

  • Institutszertifikat
  • Zertifizierung der jeweiligen Ausbildung durch einen Coaching-Verband
  • Praxisbezug der Inhalte, Hinweis auf lebenslanges Lernen
  • Wissenschaftliche Fundierung der Theorie
  • Begriffe wie (Selbst)Reflexion, Arbeiten auf Augenhöhe, Persönlichkeitsentwicklung, Resilienz, Psychologie, Achtsamkeit, innere Haltung, Kommunikationsmodelle, Auseinandersetzung mit benachbarten Disziplinen, beispielsweise Abgrenzung zur Therapie, Beratung und Supervision
  • die Ausbilder*innen sollten neben anderen Qualifikationen (Lehrbefähigung) unbedingt selbst eine Coaching-Ausbildung vorweisen können
  • Phasen, Prozesse, Systemtheorie
  • Strukturierter Aufbau der Ausbildung mit einem pädagogischen Konzept
  • Abklärung aller Voraussetzungen für Teilnehmer*innen im Vorfeld
  • klare Angaben über Preise und Nebenkosten

Die Mindeststandards des RTCs sehen für Coaching-Ausbildungen 150 dozentengeführte Zeitstunden vor. Überprüfen Sie ebenfalls, ob Sie sowohl Theorie als auch Praxis vermittelt bekommen und wie hoch die Anteile zueinander stehen. Die Gesamtdauer der Coaching-Fort- und Weiterbildung sollte ca. ein Jahr betragen. Die Angebote können in Blöcken, aber auch berufsbegleitend in Modulen stattfinden. Gespräche mit dem Anbieter und Recherche im Internet helfen bei der Qualitätssicherung und Vertrauensbildung.

Häufige Missverständnisse

Obschon Coaching heute gängige Praxis ist und nicht mehr nur Managern vorbehalten, scheint der Begriff plus die dazugehörenden Schreibweisen noch nicht eindeutig genug definiert.

Und selbst bei der Art der ausgeübten Tätigkeit herrscht Unklarheit. Beim Coachen handelt es sich um das Trainieren von Sportlern, die ihre Leistung optimieren sollen und wollen. Beim Coaching dagegen geht es um eine Dienstleistung innerhalb der psychologischen Beratung, welche die Persönlichkeits-, Team- und Organisationsentwicklung fördert. Sie beruht auf Freiwilligkeit, kann in Einzel- und Gruppensitzungen stattfinden, in denen Veränderungsprozesse angestoßen, Softskills entwickelt und eigene Lösungen gefunden werden. Den Expertenstatus hat der Coachee, die Klient*in oder Kund*in und nicht der Coach. Die Coach*in ist für den Prozess und die angebotenen Methoden verantwortlich jedoch nicht für die Lösung.

Wollen Sie sich an einer Definition für Coaching beteiligen?

Der QRC e.V. sammelt Definitionen und bietet am 28.09.21 von 10:00 – 11:00 Uhr einen Event mit Austausch zum Thema mit Diskussionsrunde an: „Mit welcher Coaching-Definition arbeiten Sie?“

 

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1 https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.mlm-coaching-und-co-wenn-der-freund-zum-verkaeufer-wird.ff59cfd3-1a86-4b1d-ba75-54ee6d23e2d6.html?reduced=true

2 https://www.bo.de/wirtschaft/wenn-der-freund-zum-verkaufer-wird

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