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Diese Coaching-Disziplin ist noch sehr jung. Sie wurde erstmals im Jahre 2013 von Björn Migge in seinem Buch Schema-Coaching vorgestellt. Der Coachingansatz stammt aus den Schematherapie, die wiederum verschiedene Erkenntnisse aus der Kognitiven Verhaltenstherapie und Techniken aus psychodynamischen, bildungstheoretischen und gestalttherapeutischen Konzepten aufgenommen hat.

Im Unterschied zur Therapie sind Coachings über einen kürzeren Zeitraum angelegt als Therapieprozesse. Auch nimmt der Coach eine andere Rolle ein als der Therapeut. Beim Coaching soll Hilfe zur Selbsthilfe angeboten werden. Der Coach stellt die dafür notwendigen Methoden zur Verfügung und begleitet den Coachee/Kunden. Beim Schemacoaching steht eine intensive Stärkung des „Fitten Erwachsenen-Modus“ im Vordergrund. Hierzu setzt der Schemacoach ressourcenorientierte Ansätze und Methoden der Positiven Psychologie ein.

Persönlichkeitstheorie

Die Persönlichkeitstheorie von Jeffrey E. Young, (2005) steht hinter der Schematherapie. Sie zielt auf den Aufbau einer angemessenen und reifen Persönlichkeit.

Die Befriedigung dieser fünf Grundbedürfnisse sind Basis für einen ausgewogen „Fitten Erwachsenen-Modus“:

  1. Sichere Bindung zu anderen Menschen
  2. Autonomie, Kompetenz und Entwicklung eines Identitätsgefühls
  3. Gesetzte realistischen Grenzen, innerhalb deren eigene Kontrolle möglich ist
  4. Eigene Emotionen und Bedürfnisse frei und angemessen ausdrücken dürfen
  5. Spiel und Spontanität

Im Verlaufe der Entwicklung steht dann eine Person, die in der Lage ist, eigene Werte und Ziele im Rahmen der Sozialisation in Einklang mit ihren Bedürfnissen (Kindermodi) zu bringen. Die positiven Aspekte der Sozialisationserfahrung (Eltermodi) konnten in den Erwachsenenmodus integriert werden. Negative Aspekte aus alten Erfahrungen beeinträchtigen nicht mehr das Denken, Fühlen und Handeln im Alltag.

Störung- und Veränderungstheorie

Frustration der Grundbedürfnisse, z. B. negative Beziehungserfahrung, führen möglicherweise zu einem maladaptive Schemata, d. h. die betreffende Person reagiert situationsunangemessen. Fünf Domänen beschreiben die Verletzungen des jeweiligen Grundbedürfnisses. Die Einteilung der Schemata erfolgt durch klinische Beobachtung und Überprüfung und wurde mehrfach revidiert. Bei den ersten drei Domänen werden kindlichen Bedürfnisse von den Eltern frustriert, bei den letzten beiden bezieht sich das Schemata auf den „Verzicht“ des Kindes als Bewältigungsstrategie.

  • Domäne 1 beschreibt Abgetrenntheit und Ablehnung:
    • Emotionale Vernachlässigung
    • Verlassenheit, Instabilität
    • Misstrauen/Missbrauch
    • Isolation
    • Unzulänglichkeit/Scham
  • Domäne 2 beschreibt Beeinträchtigung von Autonomie und Leistung:
  • Erfolglosigkeit/Versagen
  • Abhängigkeit und Inkompetenz
  • Verletzbarkeit
  • Verstrickung/Unentwickeltes Selbst
  • Domäne 3 beschreibt Beeinträchtigung im Umgang mit Begrenzungen:
    • Anspruchhaltung/Grandiosität (Besonderssein)
    • Unzureichende Selbstkontrolle/Selbstdisziplin
  • Domäne 4 beschreibt übertriebene Außenorientierung und Fremdbezogenheit:
    • Unterordnung/Unterwerfung
    • Aufopferung
    • Streben nach Zustimmung und Anerkennung (Beachtungsuchen)
  • Domäne 5 beschreibt übertriebene Wachsamkeit und Gehemmtheit
    • Emotionale Gehemmtheit
    • Überhöhte Standards (unerbittliche Ansprüche)
    • Negatives hervorheben/Pessimismus
    • Bestrafungsneigung

Die Aktivierung der Schemata ist außerordentlich unangenehm, da die Gefühle der Entstehungssituation geweckt werden. Um dies zu vermeiden, unternimmt der Coachee/Klient unbewusste Bewältigungsversuche, die je nach Sozialisation und Temperament weitere zur Folge haben können. Diese Schutzfunktion lenkt von der unangenehmen Emotion ab, beispielsweise Rationalisierungsversuche und Themenwechsel.

Schutzfunktionen

Beim Coaching äußert sich das so, dass eine Frage plötzlich nicht verstanden wird, der Coachee in Wut gerät, sich der Situation durch eine Nebenhandlung entzieht, z. B. seine E-Mails checken muss.

Drei verschieden Strategien, Schemata zu umgehen:

  • Unterordnung, Erdulden, sich im vorauseilenden Gehorsam opfern, z. B. regelmäßige Übernahme von Überstunden, um den Konflikt zu vermeiden
  • Gefühlsvermeidende Bewältigung durch Distanzierung, Selbstberuhigung, Selbstentwertung, sich der Leistungssituation entziehen, aggressives Erzwingen der Beendigung eines Themas
  • Selbsterhöhung, Wichtigtuerei oft mit Abwertung anderer, zwanghaft perfektionistische Kontrolle, Lügen und Täuschen

Veränderungsziele

Um die alte stereotyp ablaufende Reaktion durch eine neue flexible Reaktion ersetzt zu können, brauch es im Schemacoaching verschiedene Veränderungsziele. Das laut Schematherapie Veränderung nur möglich, wenn der zugehörige Neuronenverbund aktiv ist, gilt es als Coach in besonderem Maße darauf zu achten, dass auf die Stärken des Coachee/Kunden, positiven Fähigkeiten und Gewohnheiten aufgebaut wird

Der Coachingprozess führt über:

  • Einsicht der im Coachee ablaufenden psychischen Prozesse und ihre Auslöser, Reiz wird dabei als Auslöser, aber nicht Ursache der Reaktion angesehen. Coachee entwickelt Motivation, seine eigene Reaktionen und Verhaltensmuster zu verändern.
  • Die Achtsamkeit, die Auslöser der Schemareaktion frühzeitig zu erkenne wächst. Die Motivation steigt flexiblere und geeignetere Verhaltensweisen aufzubauen.
  • Das Bewusstsein steigt, dass die Erfahrungen eigene Historie sind und zukünftige Reaktionen nicht rechtfertigen.
  • Coachee übernimmt V, lässt sich auf schemaauslösende Situationen zur Bearbeitung ein.
  • Coachee übernimmt Verantwortung für das Einüben neuer erhaltensweisen.

Was kann man im Sinne von Selbstcoaching tun?

Im Rahmen der Schematherapie entwickelte Roeder das B-E-A-T-E-Modell. Hier kann der Coachee seine bisherigen automatischen Reaktionen deautomatisieren. Das Schreiben hilft Distanz zu den eigene Gefühlen herzustellen und behindert durch die Verlangsamung den automatischen Ablauf der Reaktion

 

Das B-E-A-T-E-Modell besteht aus fünf Schritten:

  1. Benennen:
    Die Aktivierung des alten Musters muss erstmal bemerkt werden. Achtsamkeitstraining hilft bei der Selbstbeobachtung und Wahrnehmung kann beispielsweis in Coachingausbildungen und Peergroups geschult werden.
  2. Erkennen:
    Wenn die emotionale Reaktion bemerkt und benannt ist, sollte ein Bezug zu den alten Mustern und Hintergründen hergestellt werden. Der Coachee versteht dadurch, dass die aktuelle Situation zwar der Auslöser jedoch nicht die wirkliche Ursache für die „alte Emotion“ ist.
  3. Anerkennen und neu bewerten:
    Wiederholungen verdeutlichen, dass der Coachee einerseits noch die alte Reaktion ablaufen lassen möchte, andererseits aber schon in der Lage wäre, anders zu handeln. Hier muss eine bewusste Entscheidung für die Handlungsalternative getroffen werden.
  4. Trennen:
    Die Entscheidung für das neue Verhalten muss selbst getroffen werden und es kann eine Weile dauern bis man sich dazu entscheidet.
  5. Einbrennen:
    Die Bereitschaft genügt oft noch nicht, das neue Verhalten muss mindestens einmal ausprobiert werden. Beim Coaching kann dies in einer Art Rollenspiel geschehen.

Belohnung durch mehr Dopamin

Jeder Versuch, der erfolgreich ausgeführt wird, lohnt sich, denn er führt zu einer Dopaminausschüttung. Das fördert und verstärkt das neue Verhalten, das im Coaching Face-to-Face geübt werden und dem Coachee anschließend als „Hausaufgabe“ mitgegeben werden kann. Dazu sind Übungsbögen mit Anleitungen hilfreich. Ich stelle hier zwei unterschiedliche Möglichkeiten vor:

 

Online Peergroup

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